Donnerstag, 18. Oktober 2012

Die zähen Seiten


Ich bin ein Mensch, der den Duft von Papier liebt und das Gefühl von rauen Bücherseiten an meinen Fingerspitzen. Ja, ich bin ein Mensch, der gern in die Kategorie "Bücherwurm" geschoben wird und nicht nur die Bestsellerlisten durchforstet, sondern auch auf weniger durch aufwendige Werbung publizierte Werke schaut. Dennoch besteht mein Bücherregal nicht unbedingt aus unzähligen verschiedenen Autoren, sondern einer für mich gut sortierten und ausgewählten Mischung. Es gab und gibt immer wieder Phasen in meinem Leben, in denen ich lieber einen guten schnulzigen Liebesroman lese, um kurz darauf doch wieder zu einem guten Thriller zu greifen oder doch in historische Welten einzutauchen. Ich lege mich nicht fest und bin offen für Empfehlungen meiner Freunde und Bekannte. Ich glaube, das ist es auch, was letztlich meinen Alltag recht bunt gestaltet und zumindest in Bücherform nie Langeweile auftrifft. Dennoch kann es dazu kommen, dass ich einen Fehlgriff lande und das von mir gewählte Buch im Laufe des Lesens immer dicker und dicker wird und kein Ende der Story ersichtlich ist. Ist euch das auch schon mal passiert? 
Am liebsten würde ich in so einer Situation das Buch aus der Hand legen und nie wieder anrühren. Doch irgendeine kleine Stimme in mir sagt, dass ich mich da durch quälen muss, um wirklich behaupten zu können, dass es sich von der ersten bis zur letzten Seite um kein gutes Buch handelt. Zumindest für mich. Gerade habe ich wieder so ein Buch. Vor einer Zugfahrt kaufte ich es in dem kleinen Buchhandel am Bahnhof, damit die lange Zeit des Herumsitzens mit ein wenig Spannung gefüllt würde. Das führte mich zu einem Regal, in dem es von Büchern der Autorin Charlotte Link nur so wimmelte. Weihnachten letzten Jahres kam ich zum ersten Mal in Kontakt mit einem ihrer Werke - "Das andere Kind". Ich verschlang diesen Roman innerhalb von zwei Tagen und war von da an begeistert von ihrem Schreibstil, ihrer Darstellungsweise von Emotionen und der durchaus spannungsgeladenen Handlung. Auch weitere Bücher wie "Der Beobachter" und "Schattenspiel" entäuschten mich in keinster Weise.  Spannung, Nervenkitzel, verworrene Beziehungen der Charaktere. Ich liebte diese Bücher. Doch an dem Tag, als ich binnen fünf Minuten ein Buch von ihr wählte, um mir die Fahrt mit auf der Buchrückseite angepriesenen Geheimnissen zu versüßen, hatte ich einen Fehlgriff gelandet. 


 "Die Rosenzüchterin" heißt es. Habt ihr es schon gelesen? Die Zugfahrt war im Juni diesen Jahres. Ich weiß nicht warum, aber ich habe es bisher nicht geschafft, das Buch zu Ende zu lesen. Und ich bin wahrlich kein langsamer Leser, sondern eher einer, der Seiten selten aus der Hand legen kann und ab und an sogar von den dargestellten Ereignissen träumt! Mich stören bei dem Werk einfach der ständige Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, denn ich liebe die Schilderungen über die längst vergangenen Ereignisse, die während des zweiten Weltkrieges geschehen sind. Mit der Figur "Franka" kann ich mich überhaupt nicht anfreunden. Sie stört mich. Sie nervt mich. Ich ärgere mich über ihre Unsicherheit. Und das ist es, was mich durch das Buch kämpfen lässt. Denn sobald ich aus der Vergangenheit während des Krieges auftauche, werde ich mit den Problemen einer Frau konfrontiert, mit der ich nichts anfangen kann. Trotzdem oder gerade deshalb wühlt mich das Buch auf und beschäftigt mich, auch wenn ich es immer wieder aus der Hand legen muss. Ich werde es jedoch zu Ende lesen, denn ich will die Hintergründe wissen, will sehen, ob mich Charlotte Link doch noch überrascht und zu guter Letzt vielleicht all die beschriebenen Situationen und Handlungen der Personen einen schlüssigen und für mich nachvollziehbaren Grund ergeben. Vielleicht bin ich auch einfach nur zu ehrgeizig ein Buch unausgelesen in das schön sortierte Regal zu stellen.

Welche Bücher habt ihr wieder aus der Hand gelegt, weil sie nicht das waren, was ihr erwartet?

Kommentare

  1. Du hast sowas von recht. Mir ging es auch schon so. Oft lese ich das Buch dann auch zuende, zumindes wenn ich es gekauft habe. Wenn ich ein Buch nur ausgeliehen habe und somit unter Zeitdruck stehe, dann geht das einfach nicht. bei "Cassia und Ky - Die Auswahl" habe ich bis Seite 110 gelesen, aber es ist bis dahin so wenig passiert. Eigentlich habe mir auf das Buch gefreut, weil so ein Hype darum gemacht wird, aber mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass man viele Bücher, um die ein riesen Trubel gemacht wird, man erst ab Seite 50 lesen kann und das ist echt schade, weil meist sehr schöne Idee dahinter stecken.

    LG
    Luisa

    PS: Schau doch mal bei mir vorbei:
    http://isasisle.blogspot.de/

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    1. Du hast recht Luisa - gerade auch Bücher, um die viel Wind gemacht wird, können einen sehr entäuschen. Schade, wenn man dann meist viel Geld ausgegeben hat... Gott sei Dank gehören diese Werke (zumindest habe ich die Erfahrung gemacht) eher zu den Ausnahmen, sodass man dennoch nie die Lust an neuen Leseseiten verliert.

      Allerliebste Grüße!

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