Dienstag, 1. Oktober 2013

In Island (Teil 3): Von Küsten und Gletschern



Oh du schönes Meer! Wie glücklich du mich machst, mit deinen Schaumkronen auf den tanzenden Wellen, deinen wechselnden Farben von leuchtendem Azur bis zurückhaltendem Taubenblau und deiner unendlichen Weite. Auch hier, auf Island, mit dem lavabedeckten Landesinneren und den gigantischen Vulkan- und Felsformationen, bist du mit deiner unergründlichen Anziehungskraft ein stetiger Begleiter. Du hast uns beim Beobachten von Walen kräftig durchgeschüttelt, bei einem Sturm die Autoscheiben mit Salz verkrustet und wiederum an langen Stränden und Sonnenschein das Südseefeeling aufkommen lassen. Oh du schönes Meer. Ich danke dir, dass auch du Teil unserer Abenteuerreise warst.




Entlang der Küsten Islands gibt es so einiges zu entdecken. Seien es Seehunde, die ihre Köpfe neugierig aus dem tiefen Nass strecken oder die zahlreichen Fischerboote, die auf den Wellen tanzen. Durch das wechselhafte Wetter auf der Insel erlebten wir das Meer in seinen zahlreichen Facetten. Ein schwerer Sturm, der nicht nur unser Auto durchschüttelte und Steine zum Herumwirbeln brachten, sondern auch die Weiterfahrt unmöglich machte, so dass wir für knapp zwei Tage in einem Fischerörtchen Namens Djúpivogur im Osten des Landes Zuflucht suchen mussten, brachte unsere Reise ein wenig durcheinander. 



Wie gut, dass Island neben vielfältigen Landschaften auch jeden Tag das vielfältigste Angebot an Wetteraktivitäten zu bieten hat. So konnten wir unsere Reise mit etwas Verspätung fortsetzen - ohne Angst zu haben, dass unser Auto von der nächsten Windböe erfasst und von den steilen Klippen gewirbelt würde. Unser Warten wurde mit strahlendem Sonnenschein und glitzerndem Wasser belohnt. Im Süden Islands finden sich unendlich lange Strände mit feinem schwarzen Sand, der zum Spazieren einlädt. Von hier aus hat man einen herrlichen weiten Blick auf das offene Meer und kann dem Möwengeschrei zuhören, der von den Klippen ertönt. 









Aber nicht nur der Süden Islands mit seinen langen Sandstränden lädt zum Verweilen und Entspannen ein. Auch der Norden präsentiert seine Reize in großen und kleinen Häfen, an denen neben Fischerbooten auch Ausflugsschiffe vor Anker legen. In Húsavík hat man beispielsweise die Möglichkeit mit einem der großen Holzsschiffe auf Walbeobachtung auf den Atlantik hinauszufahren. Hier läuft man allerdings auch Gefahr, dass die beste Sicht auf die großen Meeressäuger von zahlreichen Touristen versperrt wird. So nahmen wir selbst - zugegebener Maßen bei etwas schlechterem Wetter und hohem Seegang - auf einem etwas kleineren Ausflugsboot in Akureyri Platz und staunten über Buckelwale und Zwergwale. Die Kulisse am Hafen von Húsavík allerdings, mit seinen schneebedeckten Bergen und schön verzierten Booten, ist kaum zu übertreffen. 







Eines darf bei einer Islandreise neben dem Vulkanbesteigen, Lavalandschaften durchwandern und Meeresbrise schnuppern auf gar keinen Fall unbeachtet gelassen werden: Die zahlreichen Gletscher. Es ist ja nicht so, dass das Land einem überhaupt nicht die Möglichkeit geben würde, dieses Naturwunder nicht mitzuerleben... Kaum ist man im Süd-Osten angelangt und hat sich einen netten Aussichtspunkt gesucht, der auf der einen Seite den Atlantik präsentiert, sieht man schon hier die breiten weißen Massen, die sich zwischen den Berggipfeln hindurch schieben. Und schon will der abenteuerlustige Islandreisende nur eins: immer näher heran an die Eisschichten!



So fuhren wir an der Südküste entlang. Auf der einen Seite das blaue Meer und auf der anderen die weißen Gletscherzungen des Gletschers Vatnajökull, die immer wieder ihren Weg durch die Berge bis hin zur kargen Lavalandschaft gefunden haben. Immer wieder bot sich die Möglichkeit für uns von der guten befestigten Asphaltstraße auf die ungemütlichen Schotterstraßen zu wechseln, die uns an die verschiedensten und schönsten Gletscherlagunen führten. 


Eine der Gletscherlagunen trägt den Namen Jökulsárlón. Die atemberaubende Schönheit des uralten Eises, das klare blau des Gletschersees und das leise Knistern der Eisberge... ein Bild, welches mich nun ewig begleiten wird. Wir hatten an diesem Ort die Möglichkeit mit einem Amphibienfahrzeug zwischen den Eisbergen hindurch zu fahren und ganz dicht an den Gletscher selbst heranzukommen. Eine Gelegenheit, die wir eindeutig nicht verstreichen lassen konnten. Immerhin ist einmal Lutschen an tausend Jahre altem Eis und eine kalte rote Nase ist im Preis inbegriffen.





Normalerweise sind ja nun alle guten Dinge genau drei. Aber weil ich es einfach nicht lassen kann, bereite ich noch genau einen Island-Post für euch vor - immerhin habe ich ja beinahe das Wichtigste noch vollkommen unerwähnt gelassen. Na, habt ihr schon eine Idee?


Und während ich nun ganz still und heimlich verkünde, dass heute mein 25. Geburtstag ist, den ich glatt mal ein wenig untergehen lasse, da heute für mich auch ein neuer beruflicher Lebensabschnitt beginnt, wünsche ich euch noch einen wunderbaren und gemütlichen Dienstag!

Sonntag, 29. September 2013

In Island (Teil 2): Auf Wanderwegen


Auch wenn man mit einem gemütlichen kleinen Mietwagen unterwegs ist: Man kommt in Island nicht darum herum, die Natur zu Fuß zu erkunden. An jeder Ecke locken die unterschiedlichsten Aussichtspunkte, Wanderwege oder Felsformationen vom weichen Sitz und ehe man es sich versieht, steht man am Fuße einer meterhohen Basaltwand oder inmitten einer grünen Oase, die sich in einem Nationalpark versteckt. Was in meinem ersten Post die Wasserfälle waren, sind es nun die verschiedensten Naturschönheiten, die uns auf unseren Wegen in Island begegneten und überraschten.


Es war ein Morgen am Myvatn, von dem ich bereits in Teil 1 geschrieben habe. Die Sonne stand schon etwas höher, als wir aus dem gemütlichen Federbett unseres Gasthauses krochen und ich ein Blick aus unserem Fenster warf. Für einen Augenblick fühlte ich mich nicht mehr wie auf der kalten Insel im hohen Norden, sondern meinte, dass sich vor mir ein friedlicher Ort inmitten Italiens zeigen würde. So eingehüllt von der Morgensonne erschien mir Island geradezu romantisch und nicht mehr abenteuerlustig wie zuvor am Fuße der einzigartigen Wasserfälle.




Gar nicht romantisch, sondern eher kühl und unnahbar präsentierte sich Dimmuborgir - ein zerklüftetes und labyrinthisches Feld aus zahlreichen Lavaformationen. Verschiedene gewundene Pfade laden dazu ein, die Gegend ein wenig näher zu erkunden und tief in die einzigartigen Gebilde einzutauchen. Einzig die bunten Herbstblätter verleihen der Landschaft einen kleinen Farbklecks und erinnern daran, dass man sich nicht auf einem fremden Planeten befindet.



Fährt man die Straße etwas weiter, werden die Stein- und Lavagebilde langsam wieder etwas glatter, um schließlich an einigen Stellen regelrecht aufzuplatzen. Gigantische Spalten erheben sich plötzlich aus dem Nichts und zeigen nur einmal mehr, was die Natur für gewaltige Kräfte entwickeln kann. Unter diesen Verwerfungen befinden sich kleine Höhlen, die Grjotagjá und die Stóragjá. Steigt man hinein, spürt man sofort das warme Wasser in diesen Höhlen. Der milchige Wasserdampf umnebelt jeden Besucher beruhigend, während draußen der kühle Wind energisch um die Felsen pfeift.


Der Nord-Osten Islands hat neben viel Gestein, kargen Landschaften und grauen, grünen bis braunen Lavaformationen auch noch wunderschöne grüne Oasen zu bieten. Wieder überrascht die Insel auf einer einzigen Tagestour. Eben noch kühle Felsen und nun vom Herbst gefärbte Idylle: Ásbyrgi. Der Reiseführer spricht von einer Felsschlucht im Nationalpark Jökulsárgljúfur. (Solltet ihr bis hierhin noch nicht versucht haben die komplizierten Namen auszusprechen: Fangt jetzt damit an! Ich möchte nicht die Einzige mit Knoten in der Zunge sein...) Für mich war dieser Ort viel mehr. Auf einem Spaziergang bis hin zu einem kristallklaren See, dem Botnstjörn, wanderten wir durch einen ruhigen märchenhaften Wald. Der Herbst hat hier ebenfalls bereits das gesamte Blattwerk bunt gefärbt, am Boden sprießen rote und braune Pilze und man wird in Versuchung gebracht von wilden Erdbeeren zu naschen. Plötzlich ist man wieder in einer anderen Welt. Wieder an einem einzigartigen Ort auf Island.




Völlig losgelöst von kargen Landschaften oder grünen Oasen ist dagegen die Basaltwand Gerðuberg. Frei, geradelinig und  imposant ragt diese Wand inmitten eines grün gelegenen Gebietes im Westen Islands auf. Auch wenn hier sonst nichts ist, außer der senkrechten Säulen, so lädt die Kulisse zu einem kurzen Spaziergang entlang der grauen Wand ein. Während Schwäne über unseren Köpfen den nächsten See suchen, erforschen wir die Pflanzenwelt und lauschen dem Wind, der wieder einmal an den Felsen entlang säuselt.



Die verschiedenen Pflanzen Islands zu entdecken, war für mich bei jedem Spaziergang oder längerer Wanderung überraschend. An vielen stellen des Landes muss man schon sehr die Sinne schärfen, um die kleinsten und schönen Pflänzchen zu entdecken, die zart und beinahe zerbrechlich plötzlich zwischen klobigen Felsen hervor linsen. An anderen Orten wiederum kommt man nicht umhin, die Farbenpracht verschiedenster Flechten und Gräsern zu bestaunen. 



Nach langen Tagen schließlich, wenn man selbst die bequemen Wanderschuhe endlich ausziehen und die geschundenen Füße hochlegen möchte, verabschiedet sich Island an jedem Abend mit den unterschiedlichsten Gute-Nacht-Grüßen. Ein schwarzer wolkenbehangener Himmel ist da genauso typisch wie die Sonnenuntergänge auf freiem Feld, die bereits in der schummrigen Abenddämmerung zum Träumen einladen.


Freitag, 27. September 2013

In Island (Teil 1): Von Wasserfällen und Vulkanen


Ist man einmal auf den Straßen von Island unterwegs, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Endlose Steinwüsten direkt am Wegesrand, die aus Lava geformt wurden. In der Ferne die aschgrauen Vulkane und schneeweißen Gletscher. Mittendrin immer wieder langgezogene Weiden, auf denen sich neben unzähligen Schafen auch Islandpferde niedergelassen haben und sich ihres Lebens erfreuen. Während unserer zweiwöchigen Reise auf Island umrundeten wir einmal komplett die Insel und erlebten mit jedem Kilometer neue atemberaubende und skurrile Landschaften.




Als ich den ersten Wasserfall bei unserer Tour erblickte, dachte ich noch nicht daran, dass ich den kommenden Tagen noch gefühlte hunderte von ihnen sehen würde. Und jedes Mal war ich erneut beeindruckt von tosenden Wassermassen und plätschernden Rinnsalen. Im Norden Islands am Goðafoss zu stehen und den Blick über die gesamte Breite des Wasserfalls schweifen zu lassen... unbeschreiblich.




Ist man erstmal im Norden der Insel und hat den Goðafoss hinter sich gelassen, gelangt man unweigerlich zum Mývatn - dem "Mückensee". Dieser Ort lädt eindeutig zu kurzen oder langen Wanderungen ein - je nach Kondition (oder Wetterlage). Erster Anlaufpunkt waren für uns die Pseudokrater von Skútustaðir, die inmitten des Sees liegen. Es ist eine unwirkliche Landschaft, die uns an dem blauen Wasser begegnete. Rings um den See sieht man unzählige Lavaformationen, die von Ausbrüchen des Vulkanes Krafla stammen. All diese Informationen erhält man übrigens überall an den schönsten Naturwundern und Sehenswürdigkeiten in ganz Island auf kleinen und großen Tafeln. So verpasst man auf keinen Fall auch die Dinge des Landes, die die Reiseführer nicht vermerkt haben, und hat immer wieder das Gefühl ganz besondere Orte Islands zu entdecken, die man mit keinem weiteren Touristen teilen muss.





Vorbei an stinkenden Solfatarenfelder, von denen ich in meinem nächsten Bericht nicht umhin kommen werde zu erzählen, gelangten wir zum Vulkan Krafla. Von dem blauen See habe ich im Grunde bei unserem Aufstieg nicht sehr viel sehen können. Der Wind war dort oben so stark, dass mir ununterbrochen die Tränen liefen und ich die gesamte Landschaft nur durch einen verschwommen Schleier sehen konnte. Sobald aber nützliche Taschentücher die Sicht ein wenig aufklaren konnten, erwartete mich vom Gipfel des steinigen Vulkans eine bizarre Aussicht. Auf der einen Seite sieht man das gleichnamige Kraftwerk, welches mit seinen dampfenden Rohren und alten Stahlgebäuden eine unwirkliche Endzeitstimmung erzeugt. Auf der anderen Seite schaut man auf lange Lavafelder, die vollkommen von Moos überwachsen sind. Ganz in der Nähe befindet sich außerdem die Ausbruchspalte des Leirhnjúkur, die man in einer zweistündigen Wanderung erreichen kann. (Kann. Muss man aber nicht wenn man bereits den gesamten Tag über Vulkane bestiegen und diverse Labyrinthe von Lavaformationen durchwandert hat.)


Nach einem Tag zwischen Lavafeldern, Kratern und kargen Steinwüsten zog es uns weiter in den Nordosten. Inmitten von zerklüfteten Steinwänden kommt man dort nicht umhin einen Abstecher zum Dettifoss zu machen - dem (laut Reiseführer) wasserreichstem Wasserfall Islands. Genau an diesem Ort bei grauem Himmel und kühlem Wind, stand ich so dicht an den gewaltigen Wassermassen, so dass man an der gegenüberliegenden Seite die tropfenden Steine sehen konnte, an denen der Dettifoss in einer hohen Geschwindigkeit vorbei rauschte. 



Im Süden am Skógafoss wiederum, begrüßte uns ein herrlich strahlender Regenbogen in seiner vollen Pracht. Ich konnte das Wasser auf meinem Gesicht spüren, als wir ganz dicht an den herabstürzenden Wassermassen standen. Bei einem kleinen Spaziergang auf dem steilen Weg hinauf auf den Berg, der uns über den  Skógafoss führte, hatten wir schließlich eine klare Sicht auf die Weiten des Südens. Ich befürchte, dass wir im Sommer nicht die einzigen gewesen wären, die diese Aussicht genossen hätten. Jetzt im September aber hatten wir den Blick und den Sprühnebel fast für uns allein.






Während uns der Sprühnebel am Skógafoss lediglich eine erfrischende Abkühlung bot, wurden wir am Seljalandsfoss im Süd-Osten so richtig nass. Das besondere und wirklich wunderbare an diesem Wasserfall ist nämlich, dass man ihn nicht nur von vorn oder gar von oben betrachten kann, sondern auch von hinten! Ein glitschiger und schlammiger Weg führt einmal rund um das schöne Nass und ermöglicht es, die teuere Allwetterjacke mal so richtig schön auf seine Qualität hin zu testen. Resultat: Jacke dicht, Kamera nass und um ein paar wundervolle Erinnerungen reicher.




Neben dem Seljalandsfoss begeisterte mich außerdem der Svartifoss im Süd-Osten. An diesem Ort führen zwei Wanderwege - wir wählten den zweistündigen Fußmarsch vom Fuße des Nationalparks Skaftafell und erlebten zum ersten Mal, dass uns die Sonne und die Bewegung so sehr aufheizte, dass wir unsere Jacken lässig um die Hüften binden konnten. Am Ziel angekommen überraschte uns ein dünner Wasserfall, der beinahe untergeht neben den gewaltigen Basaltsäulen, die ihn umgeben. 






Es wäre mir möglich, meinen gesamten Blog mit Fotografien von weiteren einzigartigen Wasserfällen Islands zu füllen, doch da das Land noch einiges mehr zu bieten hat, beende ich den ersten Teil meines kleinen Berichtes lieber noch mit dem nassesten Touristenmagneten der Insel: dem Gullfoss. Ich kann mir gut vorstellen, dass man hier in der Hauptsaison die besten Aussichten auf den Wasserfall mit unzähligen weiteren großen und kleinen Kameras und ihren dazugehörigen Besitzern teilen muss. Ein Hoch auf den September, der uns zwar hin und wieder mit seinem durchwachsenden Wetter ärgerte, aber damit nicht mit überfüllten Straßen, Landschaften oder Aussichtspunkten. Lediglich hier, am "Golden Circle", zu dem der Gullfoss gehört, bestaunten wir gemeinsam mit weiteren Abenteurern das ungestüme Nass.


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